Rainer Maria Rilke

1875 - 1926

 

 

Ob nicht die Tage, die wir gezwungen sind, müßig zu sein, diejenigen sind, die wir in tiefer Tätigkeit verbringen, ob nicht unser Handeln, selbst wenn es spät kommt, nur der Nachklang einer großen Bewegung ist, die in untätigen Tagen uns geschieht?
Jedenfalls ist es wichtig, mit Vertrauen müßig zu sein, wenn möglich mit Freude.

 

Das XXII. Sonett

Wir sind die Treibenden.
Aber den Schritt der Zeit,
nehmt ihn als Kleinigkeit
im immer Bleibenden.

Alles das Eilende
wird schon vorüber sein;
denn das Verweilende
erst weiht uns ein.

Knaben, o werft den Mut
nicht in die Schnelligkeit,
nicht in den Flugversuch.

Alles ist ausgeruht:
Dunkel und Helligkeit,
Blume und Buch.

 


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