Lieblingsmotto: immer mit der Ruhe
Eintrag in das Poesiealbum von Jenny Caroline Marx
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Vor der Einführung der Maschinen geschah die Verspinnung und Verwebung der Rohstoffe im Hause des Arbeiters... [Der Weber war] meist imstande etwas zurückzulegen und sich ein kleines Grundstück zu pachten, das er in seinen Mußestunden - und deren hatte er so viele als er wollte, da er weben konnte, wann und wie lange er Lust verspürte - bearbeitete. Freilich war er ein schlechter Bauer und betrieb seine Ackerwirtschaft nachlässig und ohne viel reellen Ertrag; aber er war doch wenigstens kein Proletarier, er hatte, wie die Engländer sagen, einen Pfahl in den Boden seines Vaterlandes eingeschlagen, er war ansässig und stand um eine Stufe höher in der Gesellschaft als der jetzige englische Arbeiter.
Auf diese Weise vegetierten die Arbeiter in einer ganz behaglichen Existenz und führten ein rechtschaffenes und geruhiges Leben in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, ihre materielle Stellung war bei weitem besser als die ihrer Nachfolger; sie brauchten sich nicht zu überarbeiten, sie machten nicht mehr, als sie Lust hatten, und verdienten doch, was sie brauchten, sie hatten Muße für gesunde Arbeit in ihrem Garten oder Felde, eine Arbeit, die ihnen selbst schon Erholung war, und konnten außerdem noch an den Erholungen und Spielen ihrer Nachbarn teilnehmen; und alle diese Spiele, Kegel, Ballspiel usw., trugen zur Erhaltung der Gesundheit und zur Kräftigung ihres Körpers bei. Sie waren meist starke, wohlgebaute Leute, in deren Körperbildung wenig oder gar kein Unterschied von ihren bäurischen Nachbarn zu entdecken war. Ihre Kinder wuchsen in der freien Landluft auf, und wenn sie ihren Eltern bei der Arbeit helfen konnten, so kam dies doch nur dann und wann vor, und von einer acht- oder zwölfstündigen täglichen Arbeitszeit war keine Rede.
(...)
Nichts ist fürchterlicher, als alle Tage von morgens bis
abends etwas tun zu müssen, was einem widerstrebt. Und je menschlicher der
Arbeiter fühlt, desto mehr muss ihm seine Arbeit verhasst sein, weil er den
Zwang, die Zwecklosigkeit für sich selbst fühlt, die in ihr liegen. Weshalb
arbeitet er dann? Aus Lust am Schaffen? Aus Naturtrieb? Keineswegs. Er arbeitet
um des Geldes, um einer Sache willen, die mit der Arbeit selbst gar nichts zu
tun hat...
aus: Die Lage der arbeitenden Klasse in England (1845)
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